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Viel gehört, viel gefragt, was wird sein? Nach rund 20 Jahren Aikido in mehreren Dojo’s in Deutschland war es an der Zeit für meinen ersten Besuch im Tendokan in Tokyo. In diesem Erfahrungsbericht möchte ich anhand einer Aikido-Vorführung (Enbu) die für mich wichtigsten Eindrücke schildern.
Das Enbu fand im Mai 2007 zum 2. Mal statt. Es waren die Familienangehörigen und Freunde hierzu eingeladen. Die Veranstaltung war so aufgebaut, dass jedes Dojomitglied zusammen mit einem Partner selbstgewählte Techniken in einem dreiminütigem Zeitraum vorführte. Während der Vorführung wurden von einem Moderator die jeweils Vorführenden mit einem prägnantem Satz, warum er Aikido übt, beziehungsweise was er den Zuschauern mitteilen möchte, näher gebracht. Das ganze war eingerahmt von Demonstrationen und Erläuterungen von Shimizu Sensei und den Lehrern des Tendokan. Damit genug zum Ablauf der Veranstaltung.
Bevor ich auf das Enbu eingehe möchte ich mit einem Vorgang beginnen, der den meisten vertraut ist und daher eine gemeinsame Erlebnisbasis darstellt; dem Putzen der Tatami.
Überrascht wurde ich von der Einheit der Dojomitglieder. Selbst wenn mehr Teilnehmer im Dojo waren als Mattenreihen zu putzen, haben alle zusammen das Dojo gereinigt. Als gedankliche Einheit, das Dojo möglichst sauber zu halten agiert und nicht mit dem Gedanken „es ist ja nichts mehr zu tun“ im Kopf. Diese Einstellung war auch vor und nach dem Enbu prägnant. Es standen immer mehr helfende Hände zur Verfügung, als notwendig waren. Eine Einheit, die das Enbu inkl. Auf- und Abbau zu einem gemeinsamen schönen Gruppenerlebnis, ohne Ecken und Kanten, führte.
Wer kennt nicht das kribbelnde Gefühl im Magen, wenn man sich aus dem Seiza erhebt um vor Zuschauern Aikido zu demonstrieren. Dieses habe ich auch in den Gesichtern der Vorführenden gesehen. Bei dem einen mehr und bei anderen weniger. So, wie ich es bei uns in Deutschland auch wahrnehme. Angenehm fiel mir auf, dass dieses „im Mittelpunkt“ stehen sich nicht auf das respektvolle Miteinander auswirkte. Die Ausführung der Aikidotechniken wurde von den Dojomitgliedern nicht dazu missbraucht den Zuschauern, den Freunden oder der Familie zu zeigen, was für ein toller Hecht man ist. Keine spektakuläre Fallschule, keine Notwendigkeit besonders stark zu werfen. Einfach miteinander Aikido üben.
Meine Partnerin bei der Vorführung war Frau Tannigucchi. Ich habe sie gebeten den Angriff und die Technik vorzugeben. Heraus kam als Angriff Ushiro katate tori kubi shime, den wir in dieser Form zuliessen, oder durch früheres Eintreten als Ai hamni katate tori ausführten. Die Aikidotechniken haben wir nicht festgelegt, sondern uns auf unsere Intuition verlassen.
Unsere Vorbereitung haben wir als „normales“ Aikidotraining durchgeführt, also „einfach“ zusammen geübt. Wie ein normales Training, nicht mit dem Ziel eine Technik besonders gut demonstrieren zu können, sondern immer wieder aufs Neue neues bei sich und beim Partner zu entdecken. Es gab zwei zusammen Übende von denen keiner dem anderen nach seinem Bild verbessern wollte. Lernen durch das Fühlen, was beim Uke passiert und sich anpassen. Ukemi das auf das reagiert, was passiert ohne etwas wegzunehmen, die Bewegung vorwegzunehmen oder etwas hinzuzufügen.
Am Ende jeder Vorführung stand das Verneigen im Sitzen vor dem Partner und anschließend vor den Zuschauern. Dabei habe ich keine fahrige Bewegung „ach ja, das gehört ja auch noch dazu“ wahrgenommen. Es war eine passende, einfache klare Bewegung, die den Eindruck eines wahren Verneigens bei mir hervorgerufen hat. Nicht um der Form genüge zu leisten, sondern um sich beim Partner für das Zusammen zu bedanken sowie bei den Zuschauern für die gespendete Aufmerksamkeit. Eine Form, geformt von der Einstellung.
Heute, rund 3 Monate nach meiner Rückkehr bin ich nicht mehr so locker, wie zu der Zeit im Tendokan. Es fällt mir auf, dass ich teilweise wieder meine alten Verhaltensmuster bei der Ausführung der Techniken anwende. Der Alltag hat mich wieder eingeholt.
Was geblieben ist, sind die Eindrücke, die ich oben am Beispiel des Enbu beschrieben habe und die mein Aikido-üben und -ausüben verändert haben.
Axel Bergemann
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